2013Allgemein

„Wir sind keine Spielverderber.“

Tuna Interview USK

Wer gedacht hat, dass die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, die USK, die die Altersfreigabe für Computerspiele bestimmt, aus lauter gemeingefährlichen Sadisten besteht, denkt sicher auch, dass Super Mario der neue Marvel-Superheld ist. Außerdem kursiert die Vorstellung, dass dieMitarbeiter der USK den lieben langen Tag herum sitzen und selbst nie einen Controller in dieHand genommen haben. Doch die Realität könnte davon nicht weiter entfernt sein.

Die Praxis zählt!
„Wir spielen jedes Spiel komplett durch“, verrät uns Uwe Engelhard, der ständige Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der USK. Das kann bei bis zu 3000 Prüfungen im Jahr eineganze Menge werden. Aber: „Das ist wichtig, denn es kann ja sein, dass in irgendeinem kleinen Nebenlevel Dinge auftauchen, die relevant für die Einstufung sind.“ Und seine Kollegin, die
Diplompädagogin Lidia Grashof, die ebenfalls ständige Vertreterin bei der USK ist, fügt hinzu: „Die Spielsichter, die das machen, sind größtenteils junge Leute, Gamer, die in ihrer Freizeit viel spielen.“

Dann wird das Spiel in allen Fällen, in denen eine Altersfreigabe über sechs Jahre erwartet wird, einem Gremium von fünf Sachverständigen vorgestellt, das gemeinsam eine Einstufung vornimmt. „Dabei wird neben den „harten“ Faktoren, wie Gewaltdarstellung und Schimpfwörter auf die Atmosphäre, das Setting des Spiels geachtet“, so Lidia Grashof, „Spannungsaufbau und Realismus spielen auch eine Rolle. All das beeinflusst den Spieler.“

Nicht Spielen verderben, sondern Bewusstsein schaffen
Manche Gamer sehen uns als Spielverderber, weil wir mit den Freigaben verhindern wollen, dass uneingeschränkt auf das Spiel zugegriffen wird“, berichtet Uwe Engelhard, „Dabei sind diese Einstufungen in erster Linie dazu da, Jugendliche zu schützen und ein neues Bewusstsein beim Spielen zu schaffen. Unser Hauptziel auf der gamescom ist, jugendlichen Gamern und ihren Eltern

ein Bewusstsein für die Spiele, die eine Altersfreigabe bekommen, zu vermitteln. Nur wenn sie verstehen, warum ein Spiel diese Einordnung erfahren hat, können sie es nachvollziehen und halten sich eher daran. Denn am Ende liegt die Entscheidung bei ihnen.“

Foto: Denise Brosda

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