Behinderung und Computerspiele

Ob Screenreader oder Sprachausgabe – es wird viel probiert und getüfelt um Menschen mit Behinderung ein barrierefreies Surfen im Internet und generell die Nutzung von multimedialen Geräten zu ermöglichen und zu vereinfachen. Etwa 10% der Bevölkerung haben eine Behinderung, das sind weltweit 650.000.000 Menschen. Dazu gehört auch Christian Bayerlein.

Ein Interview mit Christian Bayerlein, Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz

portrait_bayerlein
Christian Bayerlein, Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz (Foto: Privat)

Jugendredaktion (JR): Herr Bayerlein, inwiefern sind sie in Ihrem alltäglichen Leben eingeschränkt und wie beeinflusst das ihren Beruf?
Bayerlein: Ich habe spinale Muskelatrophie. Ich bin quasi am ganzen Körper gelähmt und kann nur einige Finger bewegen und bin dadurch eigentlich immer mit dem Rollstuhl unterwegs. Dadurch ergibt sich der Vorteil für meinen Beruf, dass ich nicht genötigt bin zu ahnen, was Menschen mit Behinderung und deren Bewertung der Barrierefreiheit angeht, sondern ich weiß es.

JR: Sie sind Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz, was kann man sich darunter vorstellen?
Bayerlein: Ich führe häufig Beratungsgespräche, wenn es Probleme mit der Stadt gibt oder wegen der Behinderung ein individuelles Problem vorliegt, was sich auf psychischer Ebene lösen lässt. Ich bin auch in vielen Ausschüssen und Gremien. Außerdem gehört zu meinen Aufgaben die Bewusstseinsbildung, u.a. dort, wo wir auch mit anderen Organisationen zusammenarbeiten.

JR: Auf der gamescom ist barrierefreies Surfen und Spielen ein Thema. Fühlen Sie sich in Videospielen genug repräsentiert?
Bayerlein: Mir ist es egal, ob der Darsteller eine Behinderung hat oder nicht. Diese Person, die ich spiele, kann sowieso viel mehr als jeder andere. Es wäre also etwas merkwürdig sich generell mit dieser Spielfigur zu identifizieren. Mich stört es aber, dass es beispielsweise bei den Sims keine Spielfigur im Rollstuhl gibt. Man kann Rampen und Aufzüge bauen, es gibt verschieden Hunde und Katzen, aber einen Rollstuhlfahrer sucht man vergebens.

JR: Wie bewerten sie Ihre Lebensqualität in Deutschland?
Bayerlein:
Wir sind auf einem guten Weg, jedoch noch ausbaufähig. Also ich finde dafür, dass wir eines der reichsten Länder dieser Welt sind, sind wir ziemlich schlecht. Im globalen Wettbewerb, also international, sind wir relativ gut.

JR: Was sind ihre Pläne und Ideen für die Zukunft und wie wollen Sie diese umsetzen?
Bayerlein: Ich möchte die Stadt weiter begleiten und es wird sich viel weiterentwickeln. Ich werde in den nächsten Jahren als Thema die schulische Inklusion auswählen, damit auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung in den normalen Alltag besser integriert werden.

JR: Herr Bayerlein, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Wir haben uns noch in den Messetrubel geschmissen und Besucher zum Thema befragt.

UMRAGE: Wie bewertest du die Barrierefreiheit auf der Gamescom?

Messetrubel2

Steven, 20, mit einer Gehhilfe unterwegs: Die Barrierefreiheit ist bisher ganz gut, ich bin relativ mobil.

Messetrubel 3

Kai Ye, 16, auf Krücken unterwegs: Es ist ziemlich schwer, hier voran zukommen. Es ist oft eng, aber ich hab es mir noch schlimmer vorgestellt.

Messetrubel1

Deny, 24, mit dem Rollstuhl unterwegs: Der Fahrstuhl ist kaputt, aber das größere Problem ist, dass die Leute nie Platz machen.

Daniel_Foto Florian Müller

Daniel, 37, ohne Gehhilfen unterwegs: In den Hallen selber ist es ganz ok. Die Wege dazwischen sind kritisch.


Text: Anna Fredebold und Dominik Lambertz
Fotos: Florian Müller

Weitere Beiträge
jfc Medienzentrum