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Politiker stehen sich beim „Debatt(l)e Royale“ gegenüber

Während die ersten Spiele bereits von den Messebesuchern getestet und die jährlichen T-Shirts und Bändchen verkauft wurden, lieferten sich fünf Spitzenpolitiker, darunter Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Michael Kellner (Bündnis 90/Die Grünen), im Kongresszentrum ein Battle der etwas anderen Art. Unter dem Motto „Debatt(l)e Royale“ stellten sich die Politiker den Fragen der Moderatoren Lisa Sophie Laurent und Peter Smits. Beide sind durch ihre eigenen Youtube-Kanäle bekannt. Laurent bietet auf ihrem Channel vor allem für eine jüngere Zielgruppe Tipps in allen Lebenslagen, Smits ist Teil des Let’s-Play-Kollektivs „PietSmiet“.

Lasst das Battle beginnen

In der ersten Runde des Aufeinandertreffens ging es um den Förderbedarf in der Gamingindustrie. Denn trotz der zentralen Lage Deutschlands und der stetig wachsenden Gaming-Kultur, lassen handfeste Förderprojekte auf sich warten. Laut Nicola Beer (FDP) liegt dies an den fehlenden Kenntnissen älterer Generationen über diesen, vor allem wirtschaftlich, wachsenden Bereich. Wissenschaftler sind sich mittlerweile einig: Videospiele haben keinen negativen Einfluss auf das Gewaltpotential der Spieler. Hinter dieser Fehlannahme können sich die Politiker nicht mehr verstecken. Dennoch meinte Beer: „Gaming konnte sich bisher noch nicht ganz vom negativen Stigma lösen.“ Auf die Frage nach der mangelnden Repräsentation der Videospielindustrie in Deutschland sagte Kramp-Karrenbauer: „Deutschland verliert an Boden.“ Schnelles Handeln ist gefragt und Investitionen und Förderungen sind vonnöten. Uneinig waren sich die Politiker darüber, wie genau eine Förderung aussehen und wer von dieser am meisten profitieren sollte. Kleinere Start-ups oder Großunternehmen? Innovation oder Industrie? Fest steht: Staatliche Förderungen sind dringend erforderlich.

Ausbau von Angeboten an Universitäten

Nach einer Vorrunde, die man mit einem Unentschieden gleichsetzen könnte, ging es weiter mit der Frage nach den nötigen Reformen. Für das gewünschte Wachstum der Gamingbranche Deutschlands sei es unabdingbar, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehöre nicht nur, Schülern mithilfe von Games Themenfelder beizubringen, sondern auch, dass staatliche Universitäten verstärkt Gaming-Studiengänge anböten. Die gibt es bisher vor allem an privaten Universitäten. Dort sei aber ein privater Abschluss oft sehr teuer und nicht genormt, was dazu führe, dass Arbeitgeber die Kompetenzen der Absolventen nicht auf den ersten Blick einschätzen könnten. Häufig bekämen ausländische Bewerber die Zusage, wodurch Absolventen von deutschen Universitäten das Nachsehen hätten.

„Die Anerkennung dieser Sportart ist längst überfällig“, so Kellner.

Die Moderatoren trieben das Spektakel voran und gingen zum Thema eSports über. Auf Anklang stieß die Meinung von Grünen-Politiker Kellner: „Die Anerkennung dieser Sportart ist längst überfällig.“ Er gab sich zuversichtlich, dass im nächsten Jahr nicht mehr über die Daseinsberechtigung von eSports diskutiert werden müsse. Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen lasse vielleicht noch etwas auf sich warten, doch trotzdem sollten bereits jetzt die nötigen Vorkehrungen getroffen werden, um professionelle Gamer vor Diskriminierung zu schützen. Momentan gibt es immer wieder Probleme beim Beantragen der nötigen Sportler-Visas, welche für Athleten anderer Sportarten meistens problemlos ausgestellt werden.

Auf Versprechen müssen Taten folgen

Während der Schlussrunde versprachen die Anwesenden, die Digitalisierung an Schulen voranzutreiben und den Menschen in den ländlicheren Gegenden einen besseren Internetzugang zu verschaffen. Mit der abschließenden Zusage, nächstes Jahr wieder am „Debatt(l)e Royal“ teilzunehmen, verpflichten sich die Sprecher, über die Erfolge und möglichen Misserfolge der kommenden zwölf Monate zu berichten. Dazu anknüpfend sagte Jörg Schindler (Die Linke): „Uns wird man an diesen Erfolgen messen.“ Die Politiker haben eine große Aufgabe vor sich. Beim Battle Royal kommt es auf Durchhaltevermögen an. Das werden sie bei den Themen, die unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen, aber auch brauchen.

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