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60 Sekunden zur nuklearen Apokalypse

Oder: Wie überlebt meine Familie zwei Wochen im Bunker

Wir befinden uns in den fünfziger Jahren. Die Welt steht am Rand eines Atomkrieges. Plötzlich ertönen die Sirenen. Aus den Übungen weißt du das dir jetzt nur 60 Sekunden bleiben deine Familie in den eigenen Bunker zu bringen. Du greifst deine Frau, deinen Sohn, ein bisschen Wasser und Suppe und wirst alles in den Bunker. In letzter Sekunde springst du hinterher. Die Familie muss feststellen, dass sie nicht vollständig ist. Die kleine niedliche Tochter der Familie hat es nicht in den Bunker geschafft. Die Familie muss vom schlimmsten ausgehen.

Vorbereitung

Das waren meine ersten 120 Sekunden des Spiels 60 Seconds vom polnischen Entwickler Robot Gentleman. Denn das Spiel dauert weit länger als nur 60 Sekunden. In der halben Stunde, die ich spielen konnte, kam ich bis zum vierzehnten Tag. Das kleine, dreiköpfige Entwicklerteam hat sich für den Bunkerabschnitt auf klassisches Adventure Design verlassen. Eine liebevoll gestaltete Kulisse mit sich verändernden Charakteren, je nach Zeit und Gesundheitszustand, untermalen wunderbar die Tonalität des Spiels. Denn Melancholie findet man her nicht. Bissiger und schwarzer Humor begleiten das Spiel überall, besonders in den Tagebucheinträgen, die einem helfen sollen den Zustand der Familie im Blick zu behalten. Im Kern ist 60 Seconds ein durchdachtes Survival-Spiel in dem du knallhart die Lebensmittelvorräte der Familie rationieren musst. Selbst auf dem leichtesten der drei Schwierigkeitsgrade ist die Verteilung der Nahrung gut fordernd ausgefallen. Da das bloße verteilen von Nahrung zu langweilig und zu einfach ist machen einem zufällige Events das Leben leichter oder schwerer. So steht in meinem Fall am dritten Tag die totgeglaubte Tochter vor der Bunkertür. Sie hat überlebt indem sie sich im Kühlschrank versteckt und ihn nach allen Regeln der Kunst geplündert hat. Dementsprechend sieht sie dann aber auch tatsächlich aus. Und es sind eben diese Dinge, zusätzlich zu den Adventure Anleihen, die mir beim Spielen so viel Spaß bereitet haben.Die Familie sitzt im Bunker
Auf der Messe haben die Entwickler ihre neue Konsolenversion ihres Spiels vorgestellt. Ich selber konnte die XBOX Steuerung ausprobieren welche intuitiv und unkompliziert ausfällt. Somit scheint den Entwicklern der Konsolenport gut gelungen zu sein. Am Spiel und seinen Funktionen ändert sich auch nichts. Den Spielern wird also das Gewohnte Spielerlebnis geboten. Zudem konnten die Entwickler bestätigen das weiterer Content in Form eines DLCs in Arbeit ist. Dieser DLC wird allen Spielern kostenlos zur Verfügung gestellt werden und soll das Spiel um Items und neue Events erweitern. Somit soll das Spiel auch nach dem fünften Durchlauf noch immer neue Erlebnisse für den Spieler bereit halten.
60 Seconds hat mich voll und ganz überzeugt. Das Konzept und der Art Style, sowie die Umsetzung des Humors und die Easter Eggs (Fallout lässt Grüßen) haben mir ein wunderbares Spielerlebnis geliefert. Von mir gibt es eine klare Empfehlung für dieses Spiel. Chapeau Robot Gentleman.

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